Haus & Garten

Zwischen Beeten wächst mehr als Gemüse

Zwischen Beeten wächst mehr als Gemüse

Wer mich kennt, weiß, dass Gartenarbeit schon immer mehr für mich war als nur Unkraut jäten oder Gemüse anbauen. Sie ist mein Hobby, mein Ausgleich und ein Ort, an dem ich zur Ruhe komme. Mit den Händen in der Erde zu arbeiten, Pflanzen beim Wachsen zu begutachten und den Jahreszeiten zuzusehen, hat mir schon immer unglaublich gutgetan.

Umso mehr habe ich gemerkt, wie sehr mir das im letzten Jahr gefehlt hat. Durch die Vorbereitungen für unser Schweden-Abenteuer und all das, was das Leben sonst noch mit sich gebracht hat, blieb kaum Zeit dafür. Und manchmal ist der eigene Garten eben auch genau das: etwas, das gemacht werden muss. Dann wird aus einem Hobby schnell eine Aufgabe auf der ohnehin schon (zu) langen To-do-Liste.

Hier fühlt es sich (im Moment) ganz anders an.

Schon am zweiten Tag nach unserer Ankunft habe ich die ersten Samen in die Erde gebracht. Mein Gedanke war ganz pragmatisch: Wenn wir in dieser Saison noch etwas ernten möchten, müssen wir jetzt loslegen.

Und tatsächlich – jetzt, nach gerade einmal 2 Wochen, schauen schon die ersten kleinen Keimlinge aus der Erde. Ich freue mich jedes Mal aufs Neue, wenn ich morgens durch den Garten gehe und wieder etwas entdeckt habe.

Dabei spielt uns das Wetter gerade richtig in die Karten. Die letzten Tage und Wochen waren hier außergewöhnlich warm. Auch unsere Nachbarn erzählen, dass es für schwedische Verhältnisse ein ungewöhnlich heißer Sommer ist. Für uns und unsere Pflanzen ist das momentan allerdings ein echter Glücksfall.

Gemeinsam mit Jakob habe ich in den ersten Tagen Unkraut gejätet, Beete vorbereitet, Erde aufgefüllt und alles ein bisschen auf Vordermann gebracht. Gepflanzt haben wir vor allem Dinge, die schnell wachsen und die wir auch im Herbst noch gut ernten können: Radieschen, verschiedene Salate, Spinat, Erbsen und jede Menge Kräuter.
Auch abseits der Beete entstehen jeden Tag kleine Herzensprojekte. Ich habe alte Tonscherben gefunden und daraus Kräuterstecker gemacht. Jakob hat mir welche aus Holz geschnitzt. Es sind genau diese kleinen Dinge, die den Garten nach und nach ein bisschen zu unserem machen.

Und wie schön ist es eigentlich, dass der Garten schon jetzt unglaublich viel zu bieten hat. Es gibt Erdbeeren in allen möglichen Varianten – von kleinen süßen Walderdbeeren bis hin zu großen, saftigen Erdbeeren. Und dann sind da noch die Kirschen.
Mittlerweile haben wir schon zwei ganze Eimer geerntet. Einen Teil habe ich direkt verbacken, an die Nachbarn und Vermieter verschenkt und der Rest ist im Gefrierschrank gelandet.

Kleiner Schweden Fun-Fact: Hier gibt es tatsächlich keine Kirschen im Glas zu kaufen. Für Manu, der Kirschen (zu Milchreis oder anderen Süßspeisen) liebt, ist das natürlich blöd. Also haben wir einfach selbst vorgesorgt.

Was ich wieder gemerkt habe, in den wenigen Tagen, die ich wieder vermehrt im Garten verbringe, ist dieses bewusstere Wahrnehmen der Natur.

Der Schnittlauch hat zum Beispiel gerade ausgeblüht. Einen Teil habe ich komplett zurückgeschnitten, die Blüten aber aufgehoben und zum Trocknen ausgelegt. Daraus gewinne ich die Samen die ich im nächsten Jahr wieder aussäen. Solche kleinen Kreisläufe liebe ich.

Ach das Leben ist herrlich schön. Ok, ok, vielleicht habe ich gerade noch eine knallrosarote Brille an, die mich alles ganz wunderbar und besonders finden lässt. Vielleicht ist es das aber auch. Und diese momente im Garten erinnern mich daran, langsamer zu werden, im Moment zu sein und mich über die kleinen Dinge zu freuen. Und gerade jetzt fühlt sich das unglaublich wertvoll an.

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