Land & Leute

Leben in Schweden – #1 Einkaufen

Wer nach Schweden zieht, muss sich nicht übermäßig umstellen, was das einkaufen angeht. Tatsächlich fühlt sich vieles erst einmal erstaunlich vertraut an. Die Supermärkte sind modern, das Sortiment ist groß und man bekommt alles, was man für den Alltag braucht. Und trotzdem gibt es jede Menge kleine Unterschiede, die mir in den ersten Wochen aufgefallen sind. Manche praktisch, manche überraschend und manche einfach typisch schwedisch.

Der nächste kleine Ort Kode hat zwar einen eigenen kleinen Supermarkt, aber für den großen Wocheneinkauf fahre ich meistens etwa 15 Minuten nach Kungälv. Dort gibt es verschiedene Supermärkte mein absoluter Favorit ist inzwischen ICA. Dort finde ich eigentlich alles, was wir brauchen.

Vorab – die Antwort auf eine viel gestellte Frage, ob Schweden viel teurer ist als Deutschland.
Ich hatte vor unserem Umzug ehrlich gesagt mit deutlich höheren Kosten gerechnet. Tatsächlich kann ich aber gar nicht sagen, dass Schweden grundsätzlich viel teurer ist als Deutschland. Viele Lebensmittel kosten ungefähr gleich viel, manches ist sogar günstiger – vor allem Fisch oder auch viele Milchprodukte. Andere Produkte sind dagegen deutlich teurer. Besonders bei Obst und Gemüse merkt man den Unterschied. Vieles ist teuerer, oftmals gibt es aber Angebote wie „2 zum günstigeren Preis“ oder „3 für …“, sodass sich ein größerer Einkauf durchaus lohnt. Kartoffeln (es gibt ein wahnsinniges Sortiment), Rote Beete, Karotten sind im Vergleich verhältnismäßig günstig.

Generell scheint Schweden große Packungen zu lieben. Eier kaufen wir inzwischen ganz selbstverständlich im 20er-Pack, Joghurt gibt es meistens im Literkarton – ja, tatsächlich im Tetrapak – und zwar in den verschiedensten Geschmacksrichtungen. Das Milchregal ist riesig. Ehrlich gesagt blicke ich bei den vielen Milchsorten noch nicht ganz durch. Was es dagegen nicht gibt, ist H-Milch. Hier dominiert eindeutig die Frischmilch. (Außer bei Milchalternativen, wie z.B. Hafermilch. Die ist übrigens auch günstiger als in Deutschland).

Und dann gibt es die Käseabteilung in Schweden. Käse am Stück ist hier ganz normal, oft gleich in einem Kilostück oder noch größer. Geschnitten wird er traditionell mit einem Käsehobel, den wir ebenfalls lieben gelernt haben. Geriebener Käse ist dagegen erstaunlich teuer. Also kaufen wir lieber ein großes Stück und reiben selbst.

Ein bisschen traurig sind wir allerdings schon. Unsere geliebten Käsesorten wie Appenzeller oder Chaumes sucht man hier vergeblich. Es gibt zwar Camembert, Cheddar, Gorgonzola oder sogar Gruyère – allerdings zu Preisen, bei denen man versteht, warum sie hier als Dessertkäse verkauft werden. Alltagstauglich sind eher die großen Blöcke Gouda oder der sogenannte „hushållsost“ (Haushaltskäse).
Eine echte schwedische Besonderheit ist übrigens Käse aus der Tube. Ein ganzes Regal voller Tuben mit den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen. Bisher habe ich mich ehrlich gesagt noch nicht herangetraut. Vielleicht kommt das noch.

Beim Brot schlägt dann allerdings mein deutsches Herz etwas höher – oder eher schwerer. Die Auswahl ist groß, aber vieles ist sehr weich und oft auch überraschend süß. Jakob liebt das natürlich, besonders mit Nutella zum Frühstück. Ich dagegen vermisse manchmal einfach ein kräftiges Körnerbrot.

Neulich hatten wir uns eine Too-Good-To-Go-Tüte vom Bäcker geholt. Und es war gefüllt mit Brötchen, die aussahen wie herrliche Vollkornbrötchen mit Körnern. Voller Vorfreude habe ich hineingebissen – und festgestellt, dass es ein süßes Gebäck war. Seitdem backe ich ab und zu einfach selbst Brot. Das lohnt sich auch preislich, denn ein kleines „richtiges“ Brot vom Bäcker kostet schnell 65 Kronen (knapp 6€).

Neu entdeckt und sofort ins Herz geschlossen haben wir dagegen die schwedischen Riskakor. Reis- und Maiswaffeln gibt es hier in gefühlt hundert verschiedenen Sorten. Unser aktueller Familienfavorit: Käse sowie Sour Cream & Onion. Davon darf gerne immer eine Packung im Einkaufswagen landen.

Fleisch ist insgesamt deutlich teurer als in Deutschland. Dafür gibt es eine große Auswahl an vegetarischen und veganen Produkten. Gerade Grillwürstchen, Tofu und viele andere Alternativen gibt es in großer Vielfalt und geschmacklich stehen sie den Produkten aus Deutschland in nichts nach.

Besonders spannend finde ich jedes Mal die Situation an der Supermarktkasse. Schon am ersten Tag ist mir aufgefallen, dass die Schweden ihre Einkäufe ganz ordentlich einzeln hintereinander aufs Band legen. Nicht wild gestapelt, nicht übereinander, sondern schön sortiert. Bei meinem Wocheneinkauf stoße ich dabei zwar regelmäßig an meine Grenzen, aber versuche mich auch darin. Inzwischen habe ich gelesen, dass das tatsächlich aus Rücksicht auf das Personal gemacht wird. Man möchte ihnen das Scannen erleichtern. Außerdem wartet jeder ganz entspannt, bis der Vordermann fertig ist. Niemand drängelt, niemand schiebt den Einkaufswagen in die Kniekehlen des anderen. Alles läuft ein wenig ruhiger.

Und dann gibt es natürlich noch die riesigen Süßigkeitenregale. In fast jedem Supermarkt kann man sich seine eigene Tüte mit Süßigkeiten zusammenstellen. Besonders beliebt ist in Schweden Lakritz – und zwar in allen erdenklichen Varianten, sogar gesalzen. Da gehen bei uns allerdings die Meinungen auseinander. Mich bekommt man mit Lakritz grundsätzlich nicht. Und selbst Noah und Jakob, die Lakritz eigentlich gerne mögen, haben beim salzigen Lakritz kapituliert.

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