Der September stand bei uns schon ziemlich eindeutig unter dem Motto Herbst. Die ersten Äpfel wurden reif, morgens lag Tau auf der Wiese, die Tage wurden kürzer und das Licht bekam diese ganz besondere Septemberstimmung. Gleichzeitig war der September für uns noch etwas anderes: der Monat, in dem langsam ein Familienalltag eingezogen ist.
Nicht, weil plötzlich alles fertig oder selbstverständlich wäre. Es gibt noch immer Dinge, die neu sind, Fragen, die wir nicht verstehen, Wörter, die wir nachschlagen müssen, und Situationen, in denen wir kurz überlegen: „Wie macht man das hier eigentlich?“
Aber gleichzeitig ist vieles einfach … normal geworden.
Die Jungs gehen morgens zur Schule, fahren Bus, treffen Freunde und gehen ihren Hobbys nach. Manu arbeitet. Ich kümmere mich um Familie, Haus und Garten, koche, backe, bin kreativ, fotografiere, gehe in den Wald oder ans Meer und versuche herauszufinden, was man eigentlich mit einem Tag macht, an dem man nicht arbeiten muss.
Und siehe da: Es gibt erstaunlich viel zu tun. Und manchmal auch gar nichts. Beides ist schön.


Besuch aus Deutschland – geballte Frauenpower
Der September begann gleich mit einem kleinen Stück Heimat. Meine Kollegin Petra war mit ihren drei Mädels in einem kleinen Ferienhaus in Göteborg und so hatten wir tatsächlich drei Tage miteinander.
Den ersten Tag haben wir gemeinsam in Göteborg verbracht. Petra, ihre drei Kinder und ich – fünf Mädels, die zusammen losziehen. Und ich muss sagen: Mit so vielen Männern zu Hause ist so ein Mädels-Tag schon fast ein kleines kulturelles Erlebnis. 😄Wir waren den ganzen Tag auf den Beinen, sind durch Göteborg gebummelt, haben kleine Geschäfte angeschaut, sind durch verschiedene Gassen und Winkel gestreift und haben uns einfach treiben lassen.
Kein „Wann sind wir endlich da?“, kein „Wie lange noch?“ Einfach gucken. Schlendern. Quatschen.
Und so habe ich an diesem Tag wieder ganz neue Ecken von Göteborg entdeckt, die ich bisher noch gar nicht gesehen hatte.
Am nächsten Tag kamen Petra und die Mädels zu uns nach Hause.
Die ersten Äpfel wurden geerntet, Petra und ich haben die dann geschnippelt und daraus Apfelmus und Apfelringe gemacht. Mit den Kindern wurden Zimtschnecken gebacken, es gab Fika, wir haben gefilzt, gebastelt und gespielt und natürlich waren wir auch an „unserem“ Strand.
Nachdem wir alle so viel Freude an diesen Tagen hatten, verschob Petra kurzerhand ihre Weiterfahrt innerhalb Schwedens noch ein bisschen und kam einfach am nächsten Tag noch einmal.
Und so verbrachten wir noch einen Tag zusammen. Draußen sein, Kaffee trinken, erzählen, während die Kinder spielten, bastelten, Äpfel aßen und durch den Garten zogen.
Eine richtig schöne Zeit.
So eine Art Zusammensein, die überhaupt keinen großen Plan braucht. Man sitzt zusammen, die Kinder sind beschäftigt, irgendwann steht wieder Kaffee auf dem Tisch und plötzlich ist der Tag vorbei.



Und plötzlich läuft der Laden
Nach diesem Besuch wurde der September deutlich ruhiger.
Und ich habe gemerkt, dass ich das gebraucht habe.
Die ersten Wochen hier waren doch ganz schön voll gewesen. Lehrer kennenlernen, Schulen organisieren, Vereine suchen, Nachbarn kennenlernen, Ämter, Formulare, Termine, Übersetzungen, Busverbindungen, Schulportale und überhaupt ungefähr tausend Dinge, von denen man vorher nicht wusste, dass man sie wissen soll/muss/kann.
Es hat Spaß gemacht, sich darum zu kümmern. Wirklich.
Aber irgendwann war ich auch einfach ziemlich geschafft vom vielen Im-Kontakt-Sein.
Und dann merkte ich: Es wird ruhiger.
Die Kinder gehen ganz selbstverständlich zur Schule. Sie fahren mit dem Bus hin und kommen mit dem Bus wieder nach Hause. Einmal in der Woche geht es zum Muttersprachenunterricht. (Ja, es ist tatsächlich Deutschunterricht)
Der Laden läuft. Nicht perfekt. Aber er läuft. Und das fühlt sich ziemlich gut an.
Noah ist in seinem Verein richtig gut angekommen und hatte im September schon sein erstes Volleyballturnier. Dafür sind wir ungefähr eine Stunde ins Landesinnere gefahren und haben ihn bei seinen Spielen ordentlich angefeuert. Es war schön zu sehen, wie selbstverständlich er mittlerweile Teil der Gruppe ist.
Sein Trainer kam danach zu mir und erzählte mir, wie gut Noah sich macht, dass er wirklich gut spielt und richtig mittendrin ist. Und das ist natürlich etwas, das mich sehr freut. Denn gerade bei ihm war am Anfang die große Frage: Wie wird das alles funktionieren? Offenbar ziemlich gut.
Jakob war inzwischen auch einmal beim Basketballtraining. Und er fand es richtig gut.
Es gibt nur ein kleines Problem:
Samstag. 8 Uhr.
Wer denkt sich so etwas aus?
Nach einer ganzen Schulwoche auf Schwedisch und Englisch ist das für Jakob einfach zu früh. Die Zeiten, in denen er spätestens um sechs Uhr morgens putzmunter aus dem Bett gesprungen ist, sind bei uns offensichtlich vorbei. (Gott sei Dank!)
Er hat gemerkt, dass er das gerade nicht schafft. Und das ist natürlich völlig in Ordnung, auch wenn es schade ist, weil ihm das Training gut gefallen hat und Trainer und Kinder sehr nett war.
Vielleicht ändert sich die Uhrzeit im neuen Semester nach den Weihnachtsferien noch einmal. Eine Mama erzählte uns jedenfalls, dass das Training im vergangenen Jahr zu einer anderen Zeit stattgefunden habe und damit auch doppelt so viele Kinder mittrainiert haben.
Also schauen wir einfach mal.


It’s Coolman
Bei Noah stand im September das erste Entwicklungsgespräch mit seiner Mentorin (Klassleitung) an. Es sollte darum gehen wie die ersten Wochen waren, was ihm leichtfällt, was schwierig ist und welche Fächer er mag.
Nur Noah fehlte zunächst.
Er war noch beim Sportunterricht und zwar im Wald zur Orientierung.
Das ist übrigens etwas, das beide Jungs in Schweden im Sportunterricht machen: Sie lernen, sich draußen zu orientieren, sich im Gelände zurechtfinden und ihren Weg zu finden.
Jedenfalls stand ich erst einmal mit Anna, der Lehrerin, da und wir haben uns unterhalten. Alles gut. Noah macht sich toll.
Und dann bog Noah um die Ecke.
(Ich muss kurz erwähnen: Ich habe den Jungs im September auch die Haare geschnitten. Irgendwie war uns nach Veränderung. Ein bisschen neuer Look, ein bisschen cooler.)
Und dann kam da also dieser Teenie um die Ecke: Baggy Jeans, Hoodie, frisch gestylte Haare, völlig lässig.
Und sprach ganz selbstverständlich Englisch.
Da sitzt nun mein 13-Jähriger, der vor ein paar Wochen noch in ein komplett neues Land mit einer komplett neuen Sprache gekommen ist und unterhält sich völlig selbstverständlich auf Englisch mit seiner Lehrerin und witzelt mit ihr.
Einfach cool.
Und ich dachte nur: Wow. Das ist mein Kind.
Wie selbstverständlich sich Noah und Jakob inzwischen hier bewegen. Wie sie ihren Weg finden. Wie sie sich verständigen, auch wenn nicht alles perfekt ist. Das macht mich wirklich unglaublich stolz.

Freundschaft auf „schwenglisch“
Jakob hat inzwischen einen richtig guten Schulfreund gefunden: Oskar. Oskar war auch schon bei uns.
Und ich gebe zu: Ich war vorher durchaus gespannt, wie das funktionieren würde.
Ein Kind, dessen Sprache wir mehr schlecht als recht sprechen kommt zu uns nach Hause. Jakob hat sich weitaus weniger Gedanken darüber gemacht. Denn sie reden ja vor allem englisch in der Schule, gepaart mit Jakobs rudimentären Schwedischkenntnissen, Händen und Füßen.
Ich hab die beiden Jungs von der Schule abgeholt und Oskar mit meinem besten schwedisch begrüßt und gesagt, dass ich ein wenig schwedisch spreche, vor allem englisch und dass wir das schon hinbekommen.
Und dann haben die beiden das einfach gemacht. Ohne viel darüber nachzudenken.
Sie haben Fußball und Cricket gespielt, Äpfel geerntet und gegessen und waren eigentlich den ganzen Tag draußen.
Wenn etwas sprachlich nicht funktioniert hat, wurde eben das Handy gezückt und Google Übersetzer bemüht.
Ich fand das wunderbar. Diese beiden Jungs haben überhaupt kein großes Problem daraus gemacht, dass sie sich nicht perfekt verständigen können. Sie haben einfach gespielt.
Und irgendwie ist das vielleicht eine ziemlich gute Lektion für uns Erwachsene. Einfach mal machen und nicht alles zerdenken, „was wäre wenn…“, „ob das wohl klappt…“, könnte ja gut werden!
Ein weiteres Kind fährt übrigens mit Jakob im gleichen Bus und wohnt gerade einmal drei Häuser weiter. Sie sind zwar nicht in derselben Klasse, aber auf derselben Schule. Mal sehen, was sich daraus noch entwickelt.

Wenn die Schule schreibt und mein deutsches Gehirn sofort Alarm schlägt
Eine Sache muss ich allerdings noch lernen: schwedische Schulkommunikation.
Jakobs Lehrerin schrieb mir letzte Woche eine Mail. Und mein deutsches Gehirn machte sofort: Achtung. Da stimmt etwas nicht.
Denn in Deutschland bedeutet eine Nachricht vom Lehrer ja meistens: Irgendetwas ist passiert. Irgendetwas muss besprochen werden. Irgendetwas muss ich tun.
Aber nein.
Die Nachricht war im Grunde einfach: Jakob hat sich gut eingelebt, die erste Begeisterung lässt nach, manchmal fehlt ein bisschen die Motivation und sie wollte mich einfach darüber informieren und den guten Kontakt zwischen Schule und Eltern pflegen.
Aha.
Also keine Katastrophe.
Einfach Kommunikation.
Ich glaube, auch das gehört zu unserem Schwedenjahr: Nicht nur eine neue Sprache zu lernen, sondern auch neue kulturelle Selbstverständlichkeiten.
Ein Wort am Tag hält mein Schwedisch auf Trab
Und dann wäre da natürlich noch mein Schwedisch.
Ich muss an dieser Stelle ehrlich sein: Mein ursprünglicher Plan, jeden Tag eine halbe bis ganze Stunde Schwedisch zu lernen, hat sich inzwischen etwas… angepasst. 😄
Aus täglich 30 bis 60 Minuten sind mittlerweile mindestens fünf Minuten geworden. An guten Tagen vielleicht eine Viertelstunde.
Aber irgendwie funktioniert es trotzdem.
Mein Schwedisch wird tatsächlich besser, auch wenn ich längst nicht mehr so fleißig lerne wie am Anfang.
Ich merke es vor allem im Alltag. Beim Einkaufen komme ich mittlerweile ganz gut zurecht. Kleine Alltagssituationen funktionieren: Nachbarn begrüßen, fragen, wie es geht, ein bisschen Smalltalk machen, etwas bestellen.
Und dann kommt irgendwann der Punkt, an dem ich merke: Okay. Ab hier wird es schwierig.
Für ein längeres Gespräch reicht mein Schwedisch noch lange nicht. Sobald jemand schneller spricht oder ein Thema etwas komplexer wird, bin ich ziemlich schnell raus.
Besonders gefreut habe ich mich über ein Kompliment zu meiner Aussprache. Die sei wohl richtig gut. (das ist zumindest das, was ich verstanden habe…..😄)
Ich freue mich über jedes Wort, das ich verstehe, über jeden Satz, den ich selbst sagen kann, und über jeden kleinen Moment, in dem sich die Sprache plötzlich nicht mehr fremd anfühlt.
Und auch die Kinder lernen immer mehr, sie kommen aus der Schule und sagen „Hej, ich habe ein neues Wort gelernt!“
Jakob hat mir zum Beispiel eine ganze Liste mit schwedischen Wörtern rund um Emotionen geschickt. Alles, was die Kinder in der Schule aufschnappen, landet früher oder später auch bei uns zu Hause.
Und so sitzen wir abends beim Essen und üben neue Wörter. Ganz nebenbei.
Und was macht eigentlich Manu?
Bei Manu ist es weiterhin so, dass er noch bei seiner alten Firma in Deutschland angestellt ist.
Der ursprünglich geplante schnelle Wechsel in einen schwedischen Vertrag hat leider so nicht funktioniert. Gleichzeitig hat sich in den letzten Wochen einiges getan und er hat inzwischen mehrere interessante Stellen mit Aussicht auf Anstellung.
Natürlich wäre es schön, wenn auch dieser Teil unseres Schwedenjahres so funktionieren würde, wie wir es uns ursprünglich vorgestellt haben. Wäre ja auch für Manu schön hier richtig in Schweden anzukommen. (Die meiste Zeit verbringt er in unserem begehbaren Kleiderschrank, in dem wir provisorisch einen Schreibtisch als Homeoffice gestellt haben… zumindest hat er einen schönen Blick in den Garten)
Und gleichzeitig habe ich ein großes Vertrauen.
Eigentlich zieht sich dieses Gefühl durch: Irgendwie hat sich bisher immer eine Tür geöffnet, wenn wir sie gebraucht haben.
Also schauen wir einfach, was kommt.
Wie die Schweden so schön sagen: „Det ordnar sig“ (Deh ordna sej) – Das wird sich schon regeln.
Natur pur, Balsam für Herz und Seele
Und ich genieße das Meer. Sehr sogar. Ich hätte das vorher nicht unbedingt gedacht.
Denn eigentlich waren für mich immer die Berge der Inbegriff von Ruhe. In den Bergen konnte ich Gedanken, Sorgen und all das, was mich beschäftigt, abgeben und vielleicht auch ein Stück weit Gott überlassen. Die Höhe, der Weg, die Weite, das Unterwegssein.
Und nun sitze ich am Meer und merke: Es geht auch hier. Nur anders.
Das Meer macht mich ruhig. Die Weite, das Wasser, die Wellen, der Wind. Und vielleicht ist es auch ein bisschen praktischer, denn um ans Meer zu kommen, muss ich immerhin keinen Berg hoch.
Mein Lieblingsplatz ist der Badeplatz mit dem langen Steg. Ich kann dort sitzen und einfach aufs Wasser schauen. Und das Meer sieht jeden Tag anders aus. Und tatsächlich empfinde ich diese Zeit am Meer als wahnsinnig heilsam.




Was ich außerdem hier merke: Ich gehe viel leichter nach draußen.
Ich war schon immer gerne draußen. Und natürlich gibt es auch in Deutschland, gerade bei uns in Hainhofen, wunderschöne Wege, Felder und Wälder direkt vor der Haustür.
Aber irgendwie habe ich sie im Alltag viel seltener genutzt. Und dieser Schweinehund scheint in Deutschland ein weitaus größeres Haustier zu sein.
Und hier – plötzlich mache ich es einfach.
Ich habe mehr Muße dafür. Oder mehr Energie. Vielleicht auch beides.
Ich laufe los oder fahre irgendwohin, gehe spazieren, setze mich ans Wasser, laufe durch den Wald oder suche mir irgendeinen schönen Platz.
Und merke danach jedes Mal: Das tut mir gut.
Das ist definitiv eine Erkenntnis, die ich aus diesem Jahr mitnehmen möchte.
Nicht unbedingt das Meer.
Aber dieses leichtere Rausgehen. Diese Selbstverständlichkeit, mir draußen Raum zu suchen.



Was hier fehlt
So schön es hier ist… nach drei Monaten gibt es auch eine Seite, die immer deutlicher wird:
Ich vermisse meine Freund*innen. Sehr. Mir fehlt das Vertraute. Dieses „Wir müssen uns gar nichts erklären.“
Einfach mal zusammen Kaffee trinken. Bummeln gehen. Spontan vorbeischauen. Zusammen lachen. Sich ausheulen. Reden, ohne erst eine gemeinsame Sprache finden zu müssen.
Ich habe hier jeden Tag Kontakt mit neuen Menschen. Lehrer, andere Eltern, Menschen beim Einkaufen, im Verein, in der Schule, Nachbarn, Behörden … und all das kostet Energie.
Und irgendwann denke ich dann: Nein. Ich möchte jetzt nicht auch noch ins Sprachcafé. Ich möchte keinen Chor suchen. Ich möchte heute nicht noch neue Menschen kennenlernen.
Ich möchte einfach meine Freundin anrufen.
Und zum Glück geht das ja auch. Ich telefoniere, wir schreiben WhatsApp-Nachrichten, machen Videocalls und ich freue mich wirklich über jede einzelne Nachricht.
Und es ist großartig, dass wir trotz der Entfernung so eng verbunden bleiben können.
Vielleicht schließe ich hier noch neue Freundschaften. Vielleicht auch nicht.
Und vielleicht ist es auch völlig in Ordnung, diese Zeit zu überbrücken und die Freundschaften zu Hause besonders zu pflegen.
Was ich jedenfalls merke: Mir fehlen hier die weiblichen Vibes.
Ich lebe nun einmal in einem Männerhaushalt.
Und so sehr ich meine drei Männer liebe – manchmal möchte ich einfach mit einer Frau durch einen Laden bummeln, Kaffee trinken, über (weibliche) Sichtweisen philosophieren oder über völlig unwichtige Dinge reden oder gemeinsam irgendetwas Schönes anschauen.
Mit meinen Jungs bummeln? Mit Manu schon, mit Noah und Jakob – eher nicht. Die würden wahrscheinlich schon nach dem zweiten Laden die Evakuierung einleiten.

Eine schrecklich nette Familie
Eine Freundin schrieb mir vor ein paar Wochen: „Klingt bei euch wie ganz normales Leben.“
Und ja. Genau das ist es. Wir leben hier einfach unser Familienleben.
Auch in Schweden wird gestritten.
Auch hier gibt es laute Kinder, unterschiedliche Bedürfnisse, genervte Eltern und Tage, an denen man sich fragt, warum jetzt eigentlich schon wieder jemand wegen genau dieser einen Sache völlig ausrastet.
Der eine Sohn ist mitten in die Teenagerzeit hineingeschlittert, der andere bringt mit seinem Freigeist und seiner ungestümen Art ganz andere Perspektiven mit.
Und auch die Vorstellungen davon, was ein schöner gemeinsamer Familientag ist, gehen oft auseinander.
Ich stelle mir einen schönen Familienausflug vor: ans Meer fahren, wandern, irgendwo picknicken, Natur, gemeinsam etwas entdecken.
Die Jungs stellen sich gemeinsam chillen, Filme gucken oder zusammen zocken vor.
Und genau da liegt manchmal die Herausforderung:
Etwas zu finden, auf das alle Lust haben. Denn die Kinder überhaupt dazu zu motivieren, das Haus zu verlassen, ist manchmal schon Teil des Programms.
Diesen Monat haben wir zum Beispiel einen Tag mit Bowling und Billard verbracht. Und siehe da: Alle hatten Spaß.
Keiner musste überzeugt werden, niemand wollte nach zehn Minuten wieder nach Hause.
Einfach ein Nachmittag, an dem wir alle gemeinsam etwas gemacht haben und alle Freude daran hatten.
Solche Momente sind gerade besonders wertvoll.
Denn vielleicht ist das die eigentliche Herausforderung unseres Schwedenjahres: Nicht ständig etwas Besonderes zu erleben, sondern herauszufinden, wie wir als Familie diese besondere Zeit miteinander gestalten.
Und gleichzeitig merke ich jetzt schon, nach gerade einmal drei Monaten, wie gut uns diese intensive Zeit miteinander tut.
Wir sind aufeinander angewiesen.
Wir erleben viel Neues gemeinsam.
Wir haben dieselben kleinen Abenteuer, dieselben Fragen, dieselben Missverständnisse und dieselben lustigen Momente.
Wir sitzen am selben Tisch.
Wir fahren gemeinsam irgendwohin. (Wenn auch manchmal widerwillig)
Wir streiten.
Wir lachen.
Wir versöhnen uns.





Kreativ durch den September
Der September war auch ein ziemlich kreativer Monat. Man merkt inzwischen deutlich, dass der Herbst da ist: Es gab einige kalte und regnerische Tage, an denen man draußen nicht unbedingt große Pläne machen wollte. Und so habe ich es mir drinnen gemütlich gemacht.
Ich habe viel gefilzt und gebastelt, vor allem gemeinsam mit Jakob. Wir haben im Wald Herbstschätze gesammelt, Blätter, Äste, Zapfen und all die kleinen Dinge, die der Herbst so großzügig verteilt. Ich habe gebacken, unzählige Äpfel verarbeitet, Apfelmus, Apfelringe und noch einiges mehr, und mich sogar wieder ans Häkeln gewagt.
Wobei ich mich dabei schon frage: Wie kann es eigentlich sein, dass ich dreimal die Maschen zähle und dreimal auf eine andere Anzahl komme? Ob das wirklich ein neues Hobby von mir wird, weiß ich nicht.
Aber genau dieses kreative Tun macht mir gerade unglaublich viel Freude. Etwas mit den Händen zu machen, ohne großen Plan und ohne ein bestimmtes Ziel vor Augen. Einfach ausprobieren, entstehen lassen, wieder auftrennen, neu anfangen. Es ist ein wunderbarer Ausgleich zu all den Dingen, die im Alltag organisiert, geplant und erledigt werden wollen.




Vielleicht passt auch das ganz gut zu unserem September: Nicht alles muss einen Zweck haben. Manches darf einfach entstehen.
Jeder von uns findet langsam seine Rolle.
Die Jungs in Schule, Freundschaften und Hobbys.
Manu in seiner Arbeit und in den nächsten beruflichen Schritten.
Und ich irgendwo zwischen Familie organisieren, Kochen, Backen, Garten, Kreativität, Wald und Meer und der Frage, was ich eigentlich mit all der Zeit machen möchte.
Wir lernen weiterhin eine neue Sprache, lernen neue Abläufe und lernen gleichzeitig viel über uns selbst.
Manches fühlt sich inzwischen vertraut an.
Manches fehlt uns.
Manches überrascht uns.
Und manches ist ganz einfach: Familienleben.
Und während draußen der Herbst Einzug hält, fühlt es sich innerlich immer mehr so an, als würden wir hier die ersten zarten Wurzeln schlagen.





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