Die großen Unterschiede zum deutschen Schulsystem
In diesem ersten Teil geht es um die „Fun Facts“ rund um die schwedische Schule, eure meist gestellten Fragen und vor allem um die größten Unterschiede zum deutschen Schulsystem. Denn davon gibt es tatsächlich einige. Manche haben uns überrascht, andere finden wir ziemlich genial und bei manchen mussten wir erst einmal umdenken. 🇸🇪📚
1. In welche Klasse gehen die Jungs denn nun?
In Schweden beginnt die Grundschule nicht mit der ersten Klasse.
Mit etwa sechs Jahren besuchen die Kinder zunächst die sogenannte förskoleklass, also die Vorschulklasse. Diese Klasse ist noch ganz spielerisch und ist die nullte Klasse, entspricht aber (in etwa) unserer 1. Klasse in Deutschland. Die Grundschule geht dann bis zum Ende der 9. Klasse. Danach endet die Schulpflicht, die meisten Schüler besuchen danach noch das Gymnasium.
Das führte bei uns tatsächlich etwas zu Verwirrung, da wir die Kinder natürlich entsprechend unserer deutschen Jahrgangsstufe angemeldet haben. Jakob für die 6. Klasse und Noah für die 8. Klasse. Letztlich sind sie nun in Klasse 5 und 7 😉
2. Das kleine ABC der schwedischen Benotung
Ein großer Unterschied: In Schweden werden reguläre Schulnoten erst ab Klasse 6 vergeben.
Bis dahin gibt es natürlich Rückmeldungen über den Lernstand, aber eben nicht die klassische Ziffernnote wie in Deutschland.
Jakob wird Lernentwicklungsgespräche haben, genau wie „damals“ in der Grundschule (1. und 2. Klasse in Deutschland). Wir Eltern sind dabei, aber es geht vor allem um seine eigene Einschätzung im Dialog mit der Lehrerin.
Für Noah wird es Noten geben. Hier in Schweden gibt aber Noten von A bis F. Wobei ein C bedeutet „Super, solide Leistung“, ein E als „ausreichende Leistung“ eingestuft wird und ein F „nicht Bestanden“ bedeutet.
Generell wurde mir schon mehrfach erklärt, dass die Benotung vor allem einer Einschätzung gilt, weniger als „Leistungsdruck“. A und B werden wenig vergeben, ein C ist super und solang es kein F ist, ist alles im grünen Bereich.
3. Die Sache mit dem Schulranzen
Tatsächlich wusste ich das schon, bevor wir nach Schweden gezogen sind und trotzdem fühlt sich das so unvorstellbar (schön) an.
Während deutsche Kinder morgens mit einem vollgepackten Ranzen zur Schule marschieren: Bücher, Hefte, Stifte, Geodreieck, Schere, Kleber, Trinkflasche, Brotdose und manchmal gefühlt noch der halbe Hausstand, sieht man schwedische Kinder teilweise mit einem kleinen Rucksack oder sogar ganz ohne Tasche zur Schule kommen.
Der Grund ist denkbar einfach: Das meiste bleibt einfach in der Schule.
Bücher, Hefte und viele Materialien wie Stifte, Scheren oder Kleber werden von der Schule zur Verfügung gestellt und müssen nicht jeden Tag zwischen Schule und Zuhause hin- und hergetragen werden. Beide Kinder bekommen ein Chromebook zur Verfügung gestellt. Damit wird im Unterricht gearbeitet und gelernt. Je nach Bedarf können die Geräte auch mit nach Hause genommen werden, beispielsweise für Projekte oder Aufgaben.
Das schont nicht nur den Rücken, sondern auch (meine) Nerven. (Ich konnte mein Glück kaum fassen, dass ich keine 2 lange Listen bekommen habe, mit Dingen, die ich besorgen muss für den Schulanfang)
Die Materialien werden übrigens von der Schule/Kommune gratis gestellt, auch um soziale Gleichheit zu garantieren.
4. Schule, Lernen, Mittagessen – All inclusive
Neben den Schulmaterialien gibt es auch für alle Kinder ein tägliches kostenloses Mittagessen. Dieses ist fest integriert in den Stundenplan und gehört ganz selbstverständlich zum Schultag.
Und auch Getränke sind vorhanden. Wasser steht sowohl beim Essen als auch im Klassenzimmer zur Verfügung.
Je nach Schule und Länge des Schultages gibt es außerdem noch einen kleinen Snack, beispielsweise Knäckebrot mit Butter oder Obst.
Den Essensplan kann man übrigens (für alle Schulen) online einsehen, gebündelt auf einer Website.
5. Handys müssen draußen bleiben
Seit diesem Schuljahr gilt in Schweden ein landesweites Handyverbot an den Grundschulen.
Die Kinder dürfen ihre Smartphones zwar mitbringen, müssen sie aber während des Schultages abgeben. Bei beiden Jungs steht vorne am Pult eine Kiste, in die die Handys bei Schulbeginn gelegt werden.
Ausnahmen sind möglich, beispielsweise wenn ein Handy aus besonderen Gründen benötigt wird und dies mit der Schule abgesprochen ist.
6. Ene, Mene, Miste… Schulwahl in Schweden
In Schweden können Eltern mit ihren Kindern grundsätzlich wählen, welche Schule ihr Kind besuchen soll. Die Schule muss im Gemeindegebiet liegen ist aber nicht an den Wohnort gebunden.
Das gilt sowohl für kommunale Schulen als auch für sogenannte freie Schulen. Allerdings bedeutet freie Schulwahl natürlich nicht automatisch, dass jedes Kind an jeder beliebigen Schule einen Platz bekommt. Die tatsächliche Aufnahme hängt unter anderem von den verfügbaren Plätzen und den jeweiligen Regeln ab.
Wir wurden auch gefragt, welche Schule wir wollen. Nachdem wir ja überhaupt keine Ahnung hatten, welche Schulen es gibt und welche gut sein könnten, haben wir gebeten, uns die Wahl abzunehmen 😉 Die Kinder wurden an den am nächsten gelegenen Schulen angemeldet (und bislang sind wir sehr zufrieden).
7. Mehrsprachigkeit wird unterstützt
Besonders interessant für Familien, die aus dem Ausland nach Schweden kommen: In Schweden gibt es tatsächlich ein Recht auf Muttersprachenunterricht. Kinder, die zu Hause noch eine andere Sprache als Schwedisch sprechen, können ihre Muttersprache also auch in der Schule weiterlernen. Die Idee dahinter: Die Kinder sollen ihre Sprache und ihre Verbindung zu ihrer Herkunft behalten und gleichzeitig natürlich Schwedisch lernen.
Bei uns sieht das so aus, dass Julia unsere „Modersmålslärare“ (Muttersprachslehrerin) 2x die Woche unsere Kinder in der Schule für je 1 Stunde besucht und im Unterricht unterstützt. Das kann eine Vor- oder Nachbereitung vom Unterricht sein, oder direkt im Unterricht übersetzen, unterstützen etc. Oder auch in ganz alltagspraktischen Dingen unterstützen (Kontakt mit Lehrern, Orientierung in der Schule etc.). Zusätzlich bekommen beide noch eine Art „Deutschunterricht“. Dieser findet außerhalb der Schulzeit statt und ist freiwillig.
8. Schulalltag
Der Schultag beginnt bei den Jungs unterschiedlich.
Bei Noah täglich um 8 Uhr, bei Jakob erst um 8:45 Uhr.
Das ist dann aber auch schon alles, was jeden Tag gleich ist. 🙂
Die Unterrichts- und Pausenzeiten variieren total. Jeden Tag verschieden, z.B. dauert der Matheunterricht an einem Tag 35 Minuten, am nächsten Tag 50 Minuten und einen weiteren Tag 30 Minuten. Als ich das erste Mal die Stundenpläne in der Hand hielt dachte ich, es handle sich um um einen schlecht sortierten Entwurf und nicht um einen Stundenplan. 😂
Nichts ist jeden Tag gleich, und auch die Pausen liegen immer wieder an unterschiedlichen Stellen. Für uns Deutsche, die ja gerne alles schön ordentlich in feste 45-Minuten-Blöcke packen, ist das erst einmal ziemlich gewöhnungsbedürftig.
Der Schultag endet für beide an 3 Tagen gegen 14 Uhr und an 2 Tagen gegen 15:30 Uhr.

Hausaufgaben gibt es wohl – aber deutlich weniger, als wir es aus Deutschland kennen. (Bislang hatten sie noch keine auf).
Was ich an Schweden ja sehr liebe, ist, dass geduzt wird. Jeder. Auch die Lehrer.
Die Kinder nennen ihre Lehrer*innen beim Vornamen und sind per Du. Ich finde das großartig.
(Ich persönlich finde es ist eine wunderbare Art auszudrücken, dass alle Menschen den gleichen Wert haben, unabhängig von Status, Beruf, Herkunft…. aber das nur als sidenote)
… to be continued…
Das Thema Schule und auch unser Anfang hier damit ist viel umfangreicher und vielschichtiger, als ich dachte. Deshalb für heute Schluss. Im nächsten Schul-Beitrag nehme ich euch dann ganz konkret mit in unseren Schulalltag: Wie lief die Vorbereitung ab? Welche Unterstützung bekommen die Kinder als deutsche Schüler? Wie war der erste Schultag? Wie sind die Lehrer, Schüler etc. Und vor allem: Wie geht es den beiden jetzt nach den ersten Wochen in der schwedischen Schule?
P.S.: Habt ihr noch Fragen rund um das schwedische Schulsystem? Einfach in die Kommentare schreiben.
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schwedische Schulen finde ich total spannend. Meine Lehrer zu duzen wäre undenkbar gewesen. Das waren Respektspersonen, vor denen man teilweise Angst hatte.
Gemeinsames Mittagessen ist auch schön. Vielleicht isst der Nachbar ja das, was man selbst nicht so mag.
Schule in Schweden ist sicherlich eine Erfahrung