Alltag & Familie

Fast zwei Monate in Schweden – mein erster Rückblick

Fast zwei Monate in Schweden – mein erster Rückblick

Ihr habt ja in letzter Zeit schon einiges von uns gelesen – zugegeben, meistens von Kathi. Wird also mal wieder Zeit für ein paar Worte von mir.

Wir sind jetzt fast zwei Monate hier und ich glaube, wir können langsam sagen: wir haben uns eingelebt. Zumindest ein bisschen. Unser Häuschen fühlt sich schon sehr nach Zuhause an, und auch die Kinder sind seit dieser Woche schon in ihrer zweiten Schulwoche. Das ist großartig – auch wenn ich merke, dass es sie ordentlich Kraft kostet. Schule in einer neuen Sprache, in einem neuen Land, mit neuen Kindern. Hut ab.


Kathi und die schwedische Sprache

Kathi kommt immer mehr mit Schweden, dem schwedischen Alltag und seinen Menschen in Kontakt – und kann dabei auch ihre neu erlernten Sprachkenntnisse testen. Letzte Woche hatten wir einen Elternabend. Auf Schwedisch, versteht sich.

Ich war ehrlich gesagt überrascht, wie viel ich davon verstanden habe. Gegen Ende ließ die Konzentration dann aber merklich nach – und irgendwann war’s nur noch ein einziges Blablabla. 😄 Immerhin: Es war kein vollständiges Unverständnis, sondern immerhin ein graduelles.


Ich und der Alltag: kaum Veränderung – noch

Was mich selbst betrifft: Für mich hat sich bisher noch nicht so viel geändert. Ich bin noch im alten Job, jetzt aber zu 100 % im Home Office. Gleiches Projekt, gleiche Kollegen, gleiche Meetings – nur eben von hier aus. Das hat etwas Seltsames: Man lebt in Schweden und arbeitet trotzdem gefühlt noch in Deutschland.

Ich bin gerade auf der Suche nach einem neuen Projekt oder einer neuen Stelle. Die Zuversicht ist da – aber es braucht eben seine Zeit.


Mein Morgen – Kaffee und Aussicht

Morgens bin ich meistens der Erste, der auf ist – so war das auch schon zu Hause. Die Kinder schlafen mittlerweile erfreulich lang. Da unser Haus sehr offen und hellhörig ist, versuche ich schon am Vorabend meinen Kaffee zu mahlen und im Marmeladenglas bereitzustellen, damit ich frühs keinen wecke.

Während der Kaffee brüht – und danach – stehe oder sitze ich auf unserer Terrasse und genieße den Blick. Manchmal mache ich auch ein bisschen Yoga oder Gymnastik, um meine alten Knochen und Sehnen aufzulockern.

Der Ausblick hat etwas total Beruhigendes. Und er hat sich seit unserer Ankunft schon mehrfach komplett verändert: Waren die Felder anfangs noch fast grün, leicht gelblich, standen wir bald vor reifen Feldern – die inzwischen gemäht sind und ihre Strohballen hinterlassen haben. Diese Woche stand ein Reh ganz nah vor unserem Garten im Feld. Auf Elche warten wir noch – aber die Hoffnung ist groß. 😄

Die Terrasse ist nach Süden ausgerichtet. Die Sonne geht links auf und wirft lange Schatten nach rechts – abends kehrt sich das um. Wenn der Wind dann übers Feld fährt und alles in Bewegung setzt, und die Sonne schräg drüberstreicht: wunderbare Bilder.


Schweden und der Wald: Erwartung trifft Realität

Wenn ich an Schweden denke, denke ich an Wälder. Endlose, dichte, stille Wälder. Dieses Bild hatte ich im Kopf, bevor wir hergezogen sind.

Die Realität an der Westküste bei Göteborg ist ein bisschen anders. Die Besiedlung hier ist deutlich höher als ich erwartet hatte, und die Wälder sind kleiner – und fast überall von Häusern umgeben. Trotzdem: Es gibt sie.

Ich habe die Tage versucht, „in die Pilze zu gehen“ – mit überschaubarem, aber feinem Erfolg. Die Ausbeute war noch nicht überwältigend, aber die Pfifferlinge, die ich gefunden habe, waren wunderbar lecker. Ich liebe Pfifferlinge!


Das Schotterpisten-Dilemma

Das Waldfinden ist aber gar nicht so einfach. Auf der Suche nach einem Zugang zum Wald stoße ich immer wieder an meine Grenzen – und die sind vor allem im Kopf.

Hauptstraßen sind hier asphaltiert wie überall. Sobald man aber abbiegt, wird es schnell zum Schotterweg. Und das fühlt sich für mich – nach deutschen Standards – verdächtig nach Privatweg an. Ich traue mich da kaum reinzufahren, auch wenn das hier eigentlich das normale „Allemansrätten“-Prinzip sein soll, das jedem Zugang zur Natur erlaubt.

Da muss ich wohl noch umdenken lernen.


Was ich vermisse

Es gibt einen Moment, der mir in letzter Zeit öfter in den Sinn kommt: Raus aus dem Haus, ein paar Ecken um die Häuser biegen, übers Feld – und dann: Wald. So war das in Hainhofen. Es ist ein bisschen paradox: Schweden hat mit dem Allemansrätten eines der großzügigsten Naturzugangsrechte der Welt – und trotzdem fühlt sich der Wald hier für mich gerade noch weiter weg an als in Hainhofen. Nicht weil er es ist, sondern weil ich noch nicht gelernt habe, ihn mir zu nehmen.

Ich bin mir sicher, ich finde das hier auch noch. Ich muss nur lernen, die Schotterwege zu nehmen.


Unser Badeplatz am Meer

Gestern waren wir nochmal an unserem geliebten Badeplatz. Windig, aber vorwiegend trocken – und immer wieder kam die Sonne raus und hat das Meer golden erleuchtet, überall dort, wo die Strahlen aufs Wasser trafen. Im Süden zog ein Regenschauer übers Meer, von der Sonne angestrahlt, und wir konnten beobachten, wie er sich langsam über die Wasserfläche bewegte. Einfach wunderschön.

Kathi hatte sich weise ihre Jacke mitgenommen und sich ordentlich eingepackt. Ich hingegen hatte mir vorausschauend die Badehose untergezogen – und bin tatsächlich noch auf zwei Sprünge ins Meer. Erfrischend, befreiend, einfach herrlich. Hammer, das Meer so nah zu haben.

Es ist einfach schön, sich manchmal nur ein bisschen vom Wind durchpusten zu lassen, den Gedanken nachzuhängen – oder sie auch einfach ziehen zu lassen. Manchmal fahren wir nur für einen kurzen Sprung hin. Und das reicht völlig.


Mehr aus unserem schwedischen Alltag gibt’s bald – versprochen.

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