Kennt ihr diese romantische Vorstellung von Familienausflügen? In meinem Kopf spielt es sich ungefähr so ab: Alle freuen sich, laufen gut gelaunt nebeneinander her, führen Gespräche und genießen gemeinsam die Zeit.
Und jetzt sind wir mal ehrlich, die Realität sieht eher so aus: Der eine hätte lieber sein Hörbuch, der andere seine Medienzeit. Jede Idee für einen Ausflug wird erst einmal kritisch geprüft – und zwar mit ungefähr derselben Begeisterung, mit der man einen Zahnarzttermin ankündigt. „Müssen wir da wirklich hin?“ gehört inzwischen genauso zum Familienalltag wie leere Chipstüten unterm Bett.
Seit wir in Schweden sind, ist es gar nicht so einfach, die richtige Balance zu finden. Natürlich sollen die Jungs ihre Freiheiten haben, ankommen dürfen und auch einfach mal Zeit für sich genießen. Gleichzeitig wollen wir aber auch bewusst Familienzeit schaffen. Denn seien wir ehrlich: Nur weil vier Menschen gleichzeitig im selben Haus wohnen, verbringen sie noch lange keine Zeit miteinander.
Also musste ein Plan her. Einer, der selbst zwei kritisch dreinblickenden Jungs zumindest ansatzweise überzeugen könnte.
Meine Wahl fiel auf die „Bohus Fästning“ in Kungälv. Eine alte Festung mit dicken Mauern, Geschichte und jeder Menge Mitmachstationen. Das klang in meinem Kopf nach einem ziemlich guten Plan.
Die Reaktion der Jungs: „Ich hab gar keinen Bock…“. Nachdem die Eintrittskarten bezahlt waren, war die Diskussion beendet. Es gab kein Zurück mehr.
Die ersten Meter waren mühsam und nicht nur, weil es bergauf ging. Und dann passierte etwas, womit ich ehrlich gesagt nicht ganz so schnell gerechnet hatte: Die Festung gewann. Die Atmosphäre, die alten Gemäuer und vor allem die vielen Mitmachstationen sorgten dafür, dass die schlechte Laune schnell verschwand.
Die Festung hat ihre Geschichte wirklich liebevoll aufbereitet. Ursprünglich im 14. Jahrhundert erbaut, diente sie über Jahrhunderte als wichtige Grenzfestung zwischen Norwegen, Dänemark und Schweden und erzählt heute auf spannende Weise von ihrer bewegten Vergangenheit.



Das Beste war: Geschichte darf hier angefasst werden.
Bogenschießen, Hufeisenwerfen, Turnierreiten, Tauziehen, Stelzenlaufen, überall gab es etwas auszuprobieren. Beim Bogenschießen durfte ich übrigens feststellen, dass das definitiv nicht meine neue Sportart wird. Ein Schuss, die Sehne rutscht ab, und zack, ein stattlicher blauer Fleck als Andenken.




Das absolute Highlight für die Jungs war allerdings das „Pferdespringen“. Ich war wirklich beeindruckt, wie geschickt sie das gemacht haben. Besonders Noah war so begeistert, dass er schon Pläne schmiedet, im Garten eine kleine Springkoppel aufzubauen.




Zum Abschluss gab es noch ein Softeis – denn das gehört in Schweden irgendwie einfach dazu. Und wir haben eine wichtige Erkenntnis gewonnen: Eine kleine Portion reicht völlig aus. Auch wenn man sie sich teilt.
Manchmal braucht es also „nur“ eine über 700 Jahre alte Festung, ein bisschen Rittergefühl und ein Softeis, um aus einem eher widerwilligen Familienausflug einen richtig schönen gemeinsamen Tag zu machen.
Unser Fazit: Wenn ihr rund um Göteborg oder Kungälv unterwegs seid und nach einem Ausflugsziel sucht, das Geschichte, Bewegung und jede Menge Spaß verbindet, dann können wir euch die Bohus Fästning von Herzen empfehlen. Selbst zwei zunächst äußerst skeptische Teenager konnten ihr am Ende nicht widerstehen und das will schon etwas heißen.


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